{"id":115,"date":"2013-09-27T14:06:43","date_gmt":"2013-09-27T14:06:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tecks.de\/?p=115"},"modified":"2015-03-27T14:08:45","modified_gmt":"2015-03-27T14:08:45","slug":"judex-non-calculat-der-richter-rechnet-nicht-auser-bei-sachgrundlos-befristeten-arbeitsvertragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tecks.de\/?p=115","title":{"rendered":"Judex non calculat (der Richter rechnet nicht) \u2013 au\u00dfer bei sachgrundlos befristeten Arbeitsvertr\u00e4gen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"textheadline1\">Judex non calculat \u2013 au\u00dfer bei sachgrundlos befristeten Arbeitsvertr\u00e4gen<\/span><\/p>\n<p><span class=\"textbold1\">Der Grundsatz, dass der Richter nicht rechnet, gilt f\u00fcr das Arbeitsrecht nur eingeschr\u00e4nkt. Dies zeigt eine Entscheidung des LAG Mecklenburg-Vorpommern aus dem Fr\u00fchjahr, in der die Richter einen ganz genauen Blick auf die Berechnung einer sachgrundlosen Befristung geworfen haben \u2013 mit gravierenden Folgen f\u00fcr den Arbeitgeber.<\/span><\/p>\n<p>Ein Unternehmen hatte f\u00fcr die Zeit vom 30. Juli 2010 bis zum 29. Juli 2011 eine Mitarbeiterin befristet f\u00fcr die Kreditorenbuchhaltung eingestellt. Sp\u00e4ter wurde die Befristung durch \u00c4nderungsvertrag um den Zeitraum vom 1. Juli 2011 bis zum 30. Juli 2012 verl\u00e4ngert. Als Befristungsgrund war im Vertrag \u00a7 14 Abs. 2 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) angegeben. Diese gesetzliche Regelung erlaubt die Befristung eines Arbeitsvertrags ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes bis zu einer Gesamtdauer von zwei Jahren. Im Mai 2012 machte die Mitarbeiterin geltend, ihr Arbeitsverh\u00e4ltnis sei nun entfristet, weil die Zeitspanne 30. Juli 2010 bis 30. Juli 2012 insgesamt zwei Jahre und einen Tag umfasse und damit die gesetzlich vorgegebene Zweijahresfrist um einen Tag \u00fcberschreite. Nach \u00a7 16 TzBfG gelte das Arbeitsverh\u00e4ltnis in solchen F\u00e4llen als auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das Unternehmen focht daraufhin den \u00c4nderungsvertrag an und erkl\u00e4rte hilfsweise am 21. Mai 2012 die K\u00fcndigung zum 30. Juli 2012 \u2013 beziehungsweise zum n\u00e4chstm\u00f6glichen Termin \u2013 mit der Begr\u00fcndung, dass die Arbeitnehmerin die an sie gestellten Anforderungen nicht erf\u00fcllt habe.<\/p>\n<p>Die Richter des Landesarbeitsgerichts akzeptierten weder die Anfechtung noch die K\u00fcndigung. Vielmehr entschieden sie, dass tats\u00e4chlich ein unbefristetes Arbeitsverh\u00e4ltnis entstanden sei. Eine Anfechtung wegen eines Erkl\u00e4rungs- oder Inhaltsirrtums komme nicht in Betracht, weil das Unternehmen nicht dargelegt habe, dass es sich bei der Angabe des Datums \u201e30. Juli 2013\u201d \u00fcber den objektiven Sinn der verwendeten Erkl\u00e4rungszeichen geirrt habe. Da die Datumsangabe handschriftlich in den Vertrag eingetragen worden sei, scheide auch ein \u201eVertippen\u201d aus. Daher spreche alles f\u00fcr einen schlichten Rechenfehler und damit f\u00fcr einen unbeachtlichen Kalkulationsirrtum.<\/p>\n<p>Die hilfsweise ausgesprochene K\u00fcndigung sei sozial nicht gerechtfertigt gewesen. Eine verhaltensbedingte K\u00fcndigung scheide mangels Abmahnung aus, f\u00fcr eine personenbedingte K\u00fcndigung sei die Stellungnahme des Arbeitgebers zu allgemein gewesen.<\/p>\n<p>(LAG Mecklenburg-Vorpommern vom 17. April 2013 \u2013 2 Sa 237\/12)<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><span class=\"textbold1\">Tipp f\u00fcr die Praxis:<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Bei der Gestaltung befristeter Arbeitsverh\u00e4ltnisse muss gr\u00f6\u00dfte Sorgfalt an den Tag gelegt werden. Das gilt bei sachgrundlosen Befristungen zum einen f\u00fcr die Einhaltung der Zweijahresfrist, aber auch f\u00fcr die h\u00f6chstzul\u00e4ssige Zahl von drei Verl\u00e4ngerungen innerhalb dieses Zeitraums. Soweit mit sachlichem Grund befristet wird, ist die umfangreiche Rechtsprechung zu \u00a7 14 Abs. 1 TzBfG zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Quelle: http:\/\/www.cms-hs.net<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Judex non calculat \u2013 au\u00dfer bei sachgrundlos befristeten Arbeitsvertr\u00e4gen Der Grundsatz, dass der Richter nicht rechnet, gilt f\u00fcr das Arbeitsrecht nur eingeschr\u00e4nkt. 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