{"id":148,"date":"2013-06-27T14:33:56","date_gmt":"2013-06-27T14:33:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tecks.de\/?p=148"},"modified":"2015-03-27T14:35:10","modified_gmt":"2015-03-27T14:35:10","slug":"einseitiges-leistungsbestimmungsrecht-bei-weihnachtsgratifikation-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tecks.de\/?p=148","title":{"rendered":"Einseitiges Leistungsbestimmungsrecht bei Weihnachtsgratifikation"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"textbold1\">In einer Entscheidung aus dem Winter dieses Jahres hat sich das Bundesarbeitsgericht der konkreten Ausgestaltung von arbeitsvertraglichen Regelungen zu Weihnachtsgratifikationen gewidmet. Es hat entschieden, dass eine arbeitsvertragliche Klausel, nach der sich der Arbeitgeber im Wege eines einseitigen Leistungsbestimmungsrechts vorbeh\u00e4lt, die jeweilige H\u00f6he des j\u00e4hrlichen Weihnachtsgeldes zu bestimmen, wirksam ist. Dies gilt nach Auffassung der Richter insbesondere dann, wenn die j\u00e4hrliche Zuwendung keinen Entgeltcharakter hat. Eine solche Klausel h\u00e4lt der AGB-Kontrolle stand.<\/p>\n<p><\/span>Zu entscheiden war der Fall eines Arbeitnehmers, in dessen Arbeitsvertrag aus dem Jahr 2005 unter der \u00dcberschrift \u201eVerg\u00fctung\u201d bestimmt war, dass \u201eer Anspruch auf eine Weihnachtsgratifikation in einer vom Arbeitgeber jeweils pro Jahr festgelegten H\u00f6he\u201d habe. Diese Gratifikation sollte jeweils mit dem Novembergehalt ausgezahlt werden. Weiter war geregelt, dass sie bei einer Eigenk\u00fcndigung des Arbeitnehmers vor dem 31. M\u00e4rz des Folgejahres zur\u00fcckzuzahlen sei. In den Jahren 2001 bis 2010 erhielt der Mitarbeiter Weihnachtsgratifikationen in unterschiedlicher H\u00f6he. F\u00fcr die Jahre 2007 bis 2010 klagte er vor Gericht die Zahlung \u201erestlicher Weihnachtsgratifikation\u201d ein. Er berief sich darauf, dass die arbeitsvertragliche Regelung unwirksam sei. Infolgedessen sei Weihnachtsgeld in Anlehnung an die tariflichen Vorschriften der Metallbranche zu zahlen.<\/p>\n<p>Die Richter werteten die Regelung zun\u00e4chst nicht als Freiwilligkeitsvorbehalt, sondern als Anspruch des Arbeitnehmers auf Zahlung einer Weihnachtsgratifikation, in einer im billigen Ermessen (siehe dazu \u00a7 315 Absatz 1 BGB) des Arbeitgebers liegenden H\u00f6he.<\/p>\n<p>Die AGB-Pr\u00fcfung der arbeitsvertraglichen Klausel durch das BAG ergab sodann Folgendes:<\/p>\n<ul>\n<li>Die beschriebene Regelung enth\u00e4lt keinen unzul\u00e4ssigen \u00c4nderungsvorbehalt im Sinne des \u00a7 308 Nr. 4 BGB. Einseitige Leistungsbestimmungsrechte fallen nicht unter diese Vorschrift, wenn sie sich darauf beschr\u00e4nken, dem Verwender die erstmalige Festlegung seiner Leistung \u2013 so wie im zu entscheidenden Fall \u2013 zu erm\u00f6glichen.<\/li>\n<li>Es liegt auch kein Versto\u00df gegen das Transparenzgebot gem\u00e4\u00df \u00a7 307 Absatz 1 Satz 2 BGB vor. Dies w\u00e4re nur dann der Fall, wenn die Bestimmung nicht klar und verst\u00e4ndlich w\u00e4re. Der m\u00f6gliche Anspruch des Mitarbeiters ist hier jedoch durch den Arbeitsvertrag ausreichend beschrieben. Der Arbeitnehmer konnte erkennen, dass sein Arbeitgeber \u00fcber die Festsetzung der H\u00f6he der Gratifikation zu entscheiden hat und dass die Entscheidung eine Abw\u00e4gung der ma\u00dfgeblichen Interessen beider Seiten erfordert.<\/li>\n<li>Die vertragliche Regelung ist auch nicht unangemessen (\u00a7 307 Absatz 1 Satz 1 BGB). Das Gesetz l\u00e4sst selbst einseitige Leistungsbestimmungsrechte zu (\u00a7 315 BGB).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Abschlie\u00dfend wiesen die Richter darauf hin, dass der Arbeitnehmer die Aus\u00fcbung des Leistungsbestimmungsrechts durch den Arbeitgeber vom Gericht \u00fcberpr\u00fcfen lassen k\u00f6nne. Zudem k\u00f6nne bei unterlassener oder verz\u00f6gerter Leistungsbestimmung eine Festsetzung durch das Gericht nach \u00a7 315 Abs. 3 BGB vorgenommen werden. Der Mitarbeiter sei also nicht schutzlos gestellt.<br \/>\n(BAG vom 16. Januar 2013 \u2013 10 AZR 26\/12)<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"596\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#F3F1E3\" width=\"40\"><\/td>\n<td bgcolor=\"#F3F1E3\" width=\"516\">\n<span class=\"textbold1\">Tipp f\u00fcr die Praxis:<\/span><\/p>\n<p>Klauselgestaltungen wie in diesem Fall sind in der Praxis eher selten anzutreffen, da so ein grunds\u00e4tzlicher Anspruch des Arbeitnehmers auf Auszahlung der Gratifikation geschaffen wird. Das Unternehmen muss im Zweifel in jedem einzelnen Fall begr\u00fcnden, warum die konkret gew\u00e4hrte Weihnachtsgratifikation billigem Ermessen entspricht. Da die Rechtsprechung zu Freiwilligkeits- und Widerrufsbehalten \u00e4u\u00dferst unklar und verwirrend ist, k\u00f6nnte eine solche Vertragsgestaltung aber dennoch eine Alternative sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Entscheidung aus dem Winter dieses Jahres hat sich das Bundesarbeitsgericht der konkreten Ausgestaltung von arbeitsvertraglichen Regelungen zu Weihnachtsgratifikationen gewidmet. Es hat entschieden, dass eine arbeitsvertragliche Klausel, nach der sich der Arbeitgeber im Wege eines einseitigen Leistungsbestimmungsrechts vorbeh\u00e4lt, die jeweilige H\u00f6he des j\u00e4hrlichen Weihnachtsgeldes zu bestimmen, wirksam ist. 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