{"id":526,"date":"2019-07-25T18:39:03","date_gmt":"2019-07-25T18:39:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tecks.de\/?p=526"},"modified":"2019-08-08T18:40:56","modified_gmt":"2019-08-08T18:40:56","slug":"blendende-dachpfannen-in-gewissem-rahmen-zu-dulden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tecks.de\/?p=526","title":{"rendered":"Blen\u00addende Dachp\u00adfannen in gewissem Rahmen zu dulden"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Einen Mann blenden die Dachpfannen seines Nachbarn angeblich \nso stark, dass er nur noch mit gesenktem Kopf durch sein Wohnzimmer \nlaufen kann. Das OLG Hamm zu der Frage, wie stark Dachpfannen das Licht \nreflektieren d\u00fcrfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wesentlichkeit der Blendwirkung von \nDachpfannen ist nicht schematisch, sondern nach dem Empfinden eines \nverst\u00e4ndigen Durchschnittsmenschen nach den konkreten Umst\u00e4nden des \nEinzelfalls zu beurteilen. Dazu ist im Regelfall die Durchf\u00fchrung eines \nOrtstermins erforderlich, wie das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/gerichte\/aktuelle-urteile-und-adresse\/oberlandesgericht-hamm\/\">Oberlandesgericht (OLG) Hamm<\/a> mit am Donnerstag ver\u00f6ffentlichtem Urteil entschied (Urt. v. 09.07.2019, Az. 24 U 27\/18).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung geht auf einen Nachbarschaftsstreit aus Menden \nzur\u00fcck. Dort hatte ein Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer das Dach seines Hauses mit \nhochgl\u00e4nzend glasierten Dachpfannen eingedeckt. F\u00fcr den Nachbarn wurde \ndas zum \u00c4rgernis: Vor Gericht gab er an, dass die Reflexionen der \nDachziegel ihn so stark blendeten, dass er seinen Garten sowie Wohn- und\n Esszimmer nur noch eingeschr\u00e4nkt \u2013 n\u00e4mlich nur noch mit gesenktem Kopf \u2013\n nutzen k\u00f6nne. Er klagte deswegen und verlangte, dass der \nGrundst\u00fcckseigent\u00fcmer die Blendwirkung seiner Dachpfannen verhindert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Landgericht (LG) Arnsberg hatte der Klage noch teilweise \nstattgeben. Ein Sachverst\u00e4ndiger hatte festgestellt, dass von dem Dach \nzu bestimmten Jahres- und Tageszeiten eine nicht mehr zumutbare \nBlendwirkung mit einer Leuchtwirkung von \u00fcber 100.000 Candela pro \nQuadratmeter ausgeht. Das LG verpflichtete den Beklagten dazu, \nBlendwirkungen von 100.000 Candela oder h\u00f6her zu verhindern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">OLG h\u00e4lt Ortsbegehung f\u00fcr n\u00f6tig<\/h2>\n\n\n\n<p>Dem klagenden Nachbarn ging das aber nicht weit genug. Mit seiner \nBerufung vor dem OLG wollte er erreichen, dass sein beklagter Nachbar \ndie von dessen Dach ausgehende Blendwirkung insgesamt zu verhindert \nhat.&nbsp;Damit hatte er bei den Hammer Richtern aber keinen Erfolg. Das LG \nhabe einen \u00fcber die Verurteilung hinausgehenden Anspruch des klagenden \nMannes zu Recht verneint. Das Grundeigentum des Kl\u00e4gers werde durch die \nLichtreflexionen nur unwesentlich beeintr\u00e4chtigt, so der Senat. Der \nklagende Mann sei daher verpflichtet, die von den Dachpfannen \nausgehenden Reflexionen zu dulden, die unter der festgestellten \nIntensit\u00e4t von 100.000 Candela pro Quadratmeter liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Verbindliche Richtwerte, bei deren \u00dcberschreitung eine wesentliche \nBeeintr\u00e4chtigung indiziert w\u00e4re, gebe es soweit ersichtlich nicht, \nbetonte das OLG. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Beurteilung der Wesentlichkeit sei \ndaher das Empfinden eines verst\u00e4ndigen Durchschnittsmenschen, wobei auf \ndie konkreten Umst\u00e4nde des Einzelfalls wie die Dauer der Blendwirkung, \ndie Intensit\u00e4t der Lichtreflexe und die daraus resultierenden \nAuswirkungen auf die Nutzung des betroffenen Grundst\u00fccks abzustellen \nsei. Deshalb k\u00f6nne nicht grunds\u00e4tzlich von einer Erheblichkeit ab einer \nLichtst\u00e4rke von 100.000 Candela pro Quadratmeter ausgegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als noch das Landgericht hatte der OLG-Senat einen Ortstermin  f\u00fcr notwendig gehalten, um sich einen eigenen Eindruck vor Ort von den  Auswirkungen der Lichtreflexe zu verschaffen. Nach den Feststellungen  des Sachverst\u00e4ndigen und den Eindr\u00fccken beim Ortstermin k\u00f6nne eine  wesentliche Beeintr\u00e4chtigung durch die Dachpfannen auch bei einer  Intensit\u00e4t von unter 100.000 Candela pro Quadratmeter in diesem Fall  nicht angenommen werden, so das OLG in seiner Mitteilung.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: lto.de<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Mann blenden die Dachpfannen seines Nachbarn angeblich so stark, dass er nur noch mit gesenktem Kopf durch sein Wohnzimmer laufen kann. 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